Offener Brief an die Herausgeber

Juni 2025

Sehr geehrte Verleger und Geschäftsführer der NOZ-Mediengruppe,

mit großer Sorge verfolgen wir seit einiger Zeit die Entwicklung der Neuen Osnabrücker Zeitung von einer liberal konservativen zu einer mehr und mehr rechtspopulistisch orientierten Tageszeitung. Federführend für diese bedenkliche Neupositionierung der NOZ stehen vor allem die beiden Redakteure Burkhard Ewert und Michael Clasen.

Beispielhaft sei hier auf den Beitrag „Vielleicht beten Sie – oder denken nach!“ (in der NOZ vom 17.04.25) verwiesen, der sich vorwiegend im Bereich des Fiktionalen bewegt und es vor allem darauf anlegt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Dass eine glaubwürdige militärische Abschreckung erklärtermaßen darauf abzielen soll, einen drohenden Kriegsausbruch zu verhindern, bleibt in diesem Beitrag völlig unerwähnt. Wie in manch anderen Artikeln zum Thema Ukrainekrieg wird auch hier die Existenzgrundlage unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung somit letzten Endes subtil in Frage gestellt.

Dies geschieht leider seit einigen Monaten gehäuft und in teilweise impertinenter Art und Weise, wie etwa bei den regelrechten Hass-Tiraden der ehemaligen Eisläuferin Claudia Pechstein. Auch viele der so genannten „Expertentalks“ zeichnen sich dadurch aus, dass hier vor allem Vertreter des rechtspopulistischen und des neoliberalen Meinungsspektrums zu Wort kommen. Auf anderslautende Stimmen und korrigierende Faktenchecks wird hier offenbar bewusst verzichtet. Von dem so häufig von der Zeitung beschworenen faktenbasiertem Journalismus und der „Meinungsvielfalt“ ist das weit entfernt. Im Gegenteil, unserer Wahrnehmung nach sieht sich die Leserschaft zunehmend mit einseitigen und tendenziösen Meinungsbeiträgen aus dem rechten Spektrum konfrontiert!

Wir appellieren daher dringend an die Herausgeber und Geschäftsführer der NOZ-Mediengruppe, diesen bedenklichen Tendenzen Einhalt zu gebieten. Wenn sie das Renommee ihrer Zeitung bewahren wollen, sollten sie die Verantwortlichen in der Redaktion an ihre eigene Selbstverpflichtung zum Qualitätsjournalismus erinnern! Als Leserinnen und Abonnenten fordern wir jedenfalls, dass in Zukunft wieder die ausgewogene und überparteiliche Berichterstattung erfolgt, für die die NOZ ursprünglich einmal gestanden hat.

Wir werden die Entwicklung in der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung weiter aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls mit unserer Kritik erneut an die Öffentlichkeit treten.

Hochachtungsvoll,                      

Dr. Max Hempel, Stephanie Hempel,

Christoph Schnare, Petra Voß-Schnare,

Dr. Annette Rümmele, Stefan Rümmele