Rechtspopulistische Narrative... (0)

... in der NOZ und ihre Folgen

Der deutsche Soziologe Aladin El-Mafaalani beschreibt in seinem Buch „Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungstheorien“ (2025) das Entstehen von demokratiegefährdenden Misstrauensgemeinschaften und die Rolle der Medien dabei:

 Vertrauen ist für die Handlungsfähigkeit von Menschen und für die Funktionsfähigkeit von komplexen Gesellschaften elementar. (S.15) Vertrauen erzeugt eine gewisse subjektive Sicherheit und reduziert soziale Komplexität. (S.18)

„Vertrauen ist die unsichtbare Kraft, die eine überkomplexe Gesellschaft zusammenhält.“ (S.40) Vertrauen kompensiert die strukturelle Unmöglichkeit, sämtliche Entscheidungsprozesse permanent zu überprüfen oder auch nur nachzuvollziehen. (S.41) 

Globalisierung, Digitalisierung und funktionale Ausdifferenzierung haben die gesellschaftliche Komplexität weiter gesteigert. Moderne Gesellschaften ermöglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensstile, Werteorientierungen und Identitätsentwürfe. (S.42) Bei steigender Komplexität wird Vertrauen umso wichtiger. (S.39)

Medien sind ein „Komplexitätstreiber“, denn: „Nicht nur Gesellschaften werden immer komplexer, sondern auch die Informations- und Wissensbestände über die Gesellschaft – und damit werden die Deutungsangebote vielfältiger, widersprüchlicher und polarisierender.“ „Desinformation und Verschwörungs-ideologie expandieren genauso, wie Informationsaustausch und Wissensaneignung“ (S.45) 

Es gibt bestimmte Grenzen oder Schwellen, an denen die Kraft des Vertrauens endet und abrupt in Misstrauen umschlägt. (S.47) Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise, Ukrainekrieg, Energiekrise, Inflation: „In Krisen werden die Unsicherheiten der Welt stärker wahrnehmbar – und damit auch die eigene Verletzlichkeit.“ (S.48) „Unternehmen, politische Parteien und Regierungen wirken vor dem Hintergrund der Komplexität machtlos.“ … „Die Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologie lässt sich als Folge von Misstrauen begreifen“. (S.49)

Populistische Akteure konstruieren eine polarisierte Gegenüberstellung zwischen „Volk“ und „Elite“ und lenken das Unbehagen gegenüber bestehenden Strukturen in ihre Richtung. Im Zentrum steht der Anspruch, den „wahren Willen des Volkes“ zu artikulieren und zu präsentieren. Der Populismus hat keine stabile eigene Substanz bzw. Wertorientierung, er kann sich flexibel mit unterschiedlichen politischen Strömungen – von links bis rechts – verbinden. (S.50) „Populismus lässt sich als relativ flexible politische Strategie zur Mobilisierung und zur Machtergreifung verstehen.“ (S.51)

Verschwörungsideologien sind umfassende Weltdeutungssysteme, die komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge und politische Ereignisse auf das geheime Wirken kleiner elitärer Gruppen zurückführen. Der öffentliche Diskurs über demokratische Institutionen, Medien und Wissenschaft wird hier grundlegend delegitimiert, da diese als Teil der Verschwörung gelten. (S.51)

Verlusterfahrungen, Identitätsbedrohungen und Entfremdungserfahrungen in überkomplexen Gesellschaften stiften Misstrauen und lassen die Verunsicherten nach „alternativen“ Ordnungs- und Annerkennungsmustern suchen oder nach solchen, die die alte Ordnung wiederherzustellen versprechen. (S.55) 

Es sind „Misstrauensgemeinschaften“ entstanden, die die Anziehungskraft des Misstrauens noch weiter verstärken. (S.57) Ob Alternative (digitale) Medien, Kryptowährung, Altenativmedizin oder die AFD: „Heute lassen sich umfassende Alternativangebote finden, die Misstrauen verbinden und strukturieren.“ (S.59) „Diese Alternativen … erzeugen neue Möglichkeiten des Denk- und Sagbaren und können zu einer neuen Gemeinschaftsbildung beitragen. Dadurch stabilisiert sich zugleich das Misstrauen.“ (S.59f) 

Insbesondere die digitale Infrastruktur erschuf „Alternative Medienlandschaften“, die Skepsis und Misstrauen kultivieren- und dabei die Vielfalt und Widersprüchlichkeit von Deutungsangeboten enorm erhöhen. (S.63) Es entstand ein „Resonanzraum, in dem Misstrauen nicht nur artikuliert, sondern durch Kommunikation und Kooperation verstärkt und stabilisiert werden konnte.“… „Die Dynamik sozialer Netzwerke, in denen Algorithmen Reichweite nach aufmerksamkeitsökonomischen Logiken verteilen, begünstigte den Erfolg alternativer Medien, die oft provokativ auftreten und eine Gegenöffentlichkeit konstituieren. Sie sind Manifestationen eines kulturell verankerten Misstrauens.“ (S.63)

„Spätestens seit der erneuten Machtübernahme von Donald Trump werden die systematischen Bestrebungen der Sabotage von Standards und professionellen Funktionslogiken in Wissenschaft und Journalismus erkennbar. Und diese Entwicklung basiert … auf dem wachsenden Misstrauen und der Etablierung von Misstrauensgemeinschaf-ten.“ (S.69)

Im kollektiven Misstrauen erfährt man sich als gestaltend und wirksam: „Innerhalb dieser Netzwerke wird Misstrauen nicht nur allein und damit isoliert erlebt, sondern kollektiv bestätigt. Auf diese Weise wird es von einem individuellen Problem zu einem sozialen Bindemittel transformiert. Es kann dadurch identitätsstiftend wirken und Zugehörigkeitsgefühl erzeugen.“ (S.71) Das Misstrauen schlägt um in ein Vertrauen in andere Misstrauende und so kommt es zu einer „Vergemeinschaftung über Misstrauen“. 

Akteure, die bewusst eine affektive Polarisierung auszulösen versuchen, lassen sich als „Polarisierungsunternehmer“ bezeichnen. Die gesellschaftliche Wirkung solchen aktiven Provozierens ist alarmierend: „Das Beispiel der MAGA-Bewegung in den USA zeigt, dass es weniger auf überprüfbare Befunde oder politische Erfolge ankommt als auf die Demonstration einer bestimmten Haltung und Wertorientierung, d.h. die Repräsentanz einer Gemeinschaft. Fehler, Widersprüche oder inkonsistente Argumente sind zweitrangig. Eine sachliche Debatte ist in diesem Rahmen nicht mehr möglich.“ (S.73) 

Wir von der „ANK“ ziehen daraus den folgenden Schluss: 

Folgt man der Argumentation des Soziologen El-Mafaalani, dann lassen sich Chefredakteur Burkhard Ewert und sein Verleger Jan Dirk Elstermann mit guten Gründen als „Polarisierungsunternehmer“ bezeichnen. Sie betreiben mit der NOZ in ihrer gegenwärtigen Gestalt Misstrauensbewirtschaftung und begünstigen so das Entstehen und Wachsen von Misstrauensgemeinschaften zum Schaden unserer Demokratie. Das dürfen wir nicht tatenlos hinnehmen!