Warum müssen wir die „NOZ“ kritisch begleiten? 

NOZ, 19.01.26, Seite 12

Oder: was mich am neuen „Sound“ der NOZ so sehr geärgert hat, dass ich aktiv geworden bin:

Zur Zeit der „Schulstreiks“ für eine bessere Klimapolitik gab es mehrfach Kommentare von Ewert, in denen er in typischer Manier der BILD-Zeitung versucht hat, die Protagonisten der Klimaschutzbewegung persönlich zu diskreditieren, statt sich mit ihren Argumenten sachlich auseinanderzusetzen. Das Instrument des persönlichen Diskreditierens hat er auch während des letzten Bundestagswahlkampfes gegen Leute wie Habeck oder Baerbock eingesetzt.

Ewert fördert in seinen Kommentaren die gesellschaftliche Spaltung. Er bedient die rechte Erzählung, nach der man in Deutschland nicht mehr ungestraft sagen kann, was man denkt. Er schildert Deutschlands wirtschaftliche Lage als eine drohende nationale Katastrophe, für die er vor allem den Sozialstaat und den angeblich fehlenden Leistungswillen der Nach-Boomer verantwortlich macht. Er hat großes Verständnis dafür, dass in Russland andere „Sitten und Werte“ gelten als im Rest Europas. Alles „woke“ und „links-grüne“ wird von ihm mit dem Vorwurf einer moralisierenden Besserwisserei und freiheitsfeindlichen Verbotspolitik belegt. Tempolimits und der Kampf der Schulen gegen das Übel der „Elterntaxis“ sind ihm ein Graus. Während Elon Musks DOGE-Kommandos USAID zerschlagen, bläst Ewert in seinem Essay „Rest der Republik“ zu einem Frontalangriff auf die Deutsche Entwicklungshilfe mit deutlichen rassistischen Untertönen. Zuletzt hat er in seinem Essay zum klimapolitischen Kurswechsel von Bill Gates versucht, Klimaschutz und Armutsbekämpfung gegeneinander auszuspielen.

Clasen wiederum hat aus seiner kritiklosen Verehrung für Donald Trump nie einen Hehl gemacht, auch Ewert hat Trump mehrfach „diabolische Genialität“ bescheinigt. Nach dem Gaza-Deal haben Clasen und Ewert für Trump den Friedensnobelpreis gefordert, ohne sich auch nur mit einem einzigen kritischen Wort mit Trumps aggressiver Feindbildpolitik und seiner Zerstörung der Demokratie in den USA zu beschäftigen. Immer wieder schimmert bei beiden eine libertäre Grundhaltung durch: den Sozialstaat schleifen, die Wirtschaft von lästigen Steuern und Klimaschutzaufgaben befreien, den Staat auf die Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern wie im Äußern reduzieren.

Ewert sagt, er möchte in der NOZ die „Meinungsvielfalt der Gesellschaft“ abbilden. Für ihn heißt das, dass er nun zunehmend Rechtsintellektuelle wie Ulrike Guerot, Raphael Bonelli oder Ulf Poschert in seiner Zeitung zu Worte kommen lässt oder einer platten rechten Populistin wie Claudia Pechstein in der Vorwahlzeit breiten Raum für ihre anti-woke und anti-grüne Hetze einräumt – und das ohne jeden Faktencheck! Auch die Anführer der AFD oder der russische Botschafter kommen in der NOZ ausführlich und unkommentiert zu Wort.

Die wöchentliche Rubrik „Gedanken zum Sonntag“, in der regionale Autoren der christlichen Kirchen mehrfach vor dem wachsenden Rechtspopulismus, vor Fremdenfeindlichkeit und einem Nachlassen beim Klimaschutz gewarnt haben, wurde zu Pfingsten 2025 dagegen ohne jede Vorwarnung ersatzlos gestrichen. Auch über die Aktivitäten der Umweltbewegung oder des linken politischen Spektrums wird in der NOZ meiner Wahrnehmung nach weitaus seltener berichtet, als über Veranstaltungen und Repräsentanten der CDU oder auch der AFD.

Mein Eindruck ist, dass Ewert unter dem Deckmantel der „Meinungsvielfalt“ vermehrt rechte Narrative im Blatt unterbringen und den öffentlichen Diskurs auf diese Weise weiter nach rechts verschieben möchte. Dazu passt auch seine lautstarke Empfehlung „mehr Musk und Milei wagen“ an den designierten Kanzler Friedrich Merz unmittelbar nach der Bundestagswahl. In seinen „zehn Gedanken zur Ukraine“ aus dem August 2025 tauchen die bekannten Narrative der russischen Kriegsrechtfertigungspropaganda auf, von der „repressiven Kiewer Politik gegenüber russischen Minderheiten“ über die „Ausdehnung der Nato“ bis hin zur „Umformung der EU in eine Macht- und Militärmaschine“. Die EU selbst ist für Ewert nur noch ein „saturiertes, doppelmoralisierendes und bürokratisiertes Konstrukt“, das seinen Bürger spätestens seit Corona keine echte „innere Freiheit“ mehr zu bieten vermag.

Mit Philipp Ebert haben sie vor einigen Monaten einen weiteren Redakteur geholt, der zunehmend ins gleiche Horn stößt, wie Ewert und Clasen. Und hinter diesen drei Redakteuren steht als „schützende Hand“ der Verleger Jan-Dirk Elstermann, der mit seiner wirren Anzeige zum Datum der vorgezogenen Bundestagswahl sehr deutlich gemacht hat, wo er politisch steht – nämlich weit rechts!

Osnabrück, 

ein ANK-Mitglied im November 2025